Wappen von Wedtlenstedt

Die Mittelpunktschule Wedtlenstedt - ein geplatzter Traum.



Wedtlenstedt: Zu Beginn der 60er Jahre kam Bewegung in die Niedersächsische Bildungslandschaft. Man wollte die alte Volksschule auflösen. Es sollten Grund- und Hauptschulen entstehen. Die letzteren sollten ein 9. Schuljahr bekommen, das die Schüler vorbereiten würde auf die Zukunft im Handwerk. Das Beschulen dieses weiteren Jahrgangs stellte sicher alle Schulen vor ein Problem, besonders aber die kleinen dörflichen Einheiten, die allmählich Neubaugebiete bekamen.

Schulleiter Bernhard Eggert aus Wedtlenstedt ergriff am 16. Februar 1961 die Initiative und lud folgende Personen ein:
  Bürgermeister Rischbieter aus Bortfeld
  Hauptlehrer Berndt
  Bürgermeister Brathärig aus Lamme
  Lehrer Jabs
  Bürgermeister Fricke aus Wedtlenstedt
  Schulleiter Eggert

Gern hätte man auch Denstorf dabeigehabt, aber dort war man schon zu sehr in Richtung Vechelde orientiert. Wichtig war allen drei Dörfern, dass sie ihre Schüler nicht an andere Gemeinden abgeben mussten. Man wollte lieber gemeinsam eine provisorische Beschulung der Jahrgänge 5 bis 9 vornehmen.

Diese Versammlung könnte man als die „Geburtsstunde“ der Idee bezeichnen. Der Gemeinderat Lamme beschloss nun z. B. am 8. 12.1961 eine „Gemeinschaftsschule“ in Wedtlenstedt zu verfolgen, weil ihre Klassen 7 und 8 in Lehndorf beschult wurden und sie dafür zahlen mussten.

Jetzt schaltete sich auch die Schulaufsichtsbehörde Braunschweig Land ein und das Kreisbauamt machte eine Standortbegehung für einen Bauplatz am 24. 1.1962. Man favorisierte 1,5 – 2 ha südlich der damaligen Gärtnerei an der Straße nach Denstorf. Schon einige Tage später am 29. 1. 1962 bittet die Behörde alle drei Schulleiter nach Lamme zu einer Besprechung über eine „Dörfergemeinschaftsschule“. (Damals gehörten noch alle drei Dörfer zum Landkreis Braunschweig.)

Da das Bauvorhaben auch in der Zeitung angekündigt wird, meldet sich das Architekturbüro Otto Wiemer aus Braunschweig und bietet an einen Vorentwurf zu machen. Dieses Büro hatte bereits 1952 den Erweiterungsbau der Volksschule ausgeführt. ( das heutige Dorfgemeinschaftshaus).

Die Gemeinde Wedtlenstedt bittet den Landkreis am 10.3.1962 um Bauland und möchte den „Streubesitz“des Kreuzklosters Braunschweig ( Rennelberg ) kaufen oder in Erbpacht erwerben. Die Zustimmung lässt auf sich warten. Erst am 16. 8. 1962 kommt schließlich von der Bezirksregierung eine positive Antwort.

Nun meldet sich auch am 9.11.1962 die Kirche und macht ein Angebot des Klosterbesitzes: 1,5 ha Land Quadratmeterpreis 4,50 DM Das Grundstück würde demnach 67.500 DM kosten. Die Kosten gehen über den Regierungsbezirk an das Kultusministerium in Hannover.

Nachdem diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird am 1. 12. 1962 der Schulzweckverband gegründet und Bernhard Eggert bekommt den Vorsitz.

Langsam wird das Bauvorhaben in der Region bekannt und fünf weitere Architekturbüros bieten im Lauf der Zeit ihre Dienste an. Der Wedtlenstedter Kaufmann Dieter Vogel bewirbt sich als nebenberuflicher Geschäftsführer. Für den Posten als Hausmeister bewerben sich Klaus Statnik und Erich Lange. Am 28. 1. 1963 beantragt der Schulzweckverband einen Radweg von Lamme nach Wedtlenstedt. (gebaut 2023!) und es darf ein Dienstsiegel nicht fehlen, das liefert die Firma Düwel.

Am 29. 1.1963 kommt der nächste wichtige Schritt: der Schulzweckverband bittet um die Genehmigung einer Mittelpunktschule. Dazu braucht man:
  • Die Schülerzahlen der drei Orte
  • Das Raumprogramm
  • Das Grundstück
  • Den zu beauftragenden Architekten.

Während der ganzen Planungsphase finden sich ständig Zettel auf denen die zu erwartenden Schülerzahlen hochgerechnet wurden. Die größte Hoffnung ist geknüpft an die geplanten Baugebiete in den drei Gemeinden. Im Januar 1964 geht man von 164 Schülern aus.

Am 7. 3. 1963 erteilt der Schulzweckverband dem Architekturbüro Otto Wiemer den Auftrag für den Bauantrag der Mittelpunktschule.
Der Bauantrag geht dann an:
  - den Schulaufsichtsbezirk (Schulrat)
  - das Hochbauamt
  - das Straßenbauamt
  - das Gesundheitsamt
  - die Hochbauverwaltung
  - das Amt für Volksbildung

Am 8. 3. 1963 meldet sich fast gleichzeitig die Landkreisabteilung für Volksbildung und kann leider noch keine Genehmigung erteilen. Am 26. April 1963 wird der Haushaltsplan des Schulzweckverbandes vom Oberkreisdirektor genehmigt.
  Er umfasste 3.600 DM
  aus Bortfeld 2.100 DM
  aus Lamme 600 DM
  aus Wedtlenstedt 900 DM
( Lammes Beitrag ist so gering, weil sie noch Schüler in Lehndorf beschulen lassen.)

Am 9. Mai 1963 gab es für den Schulzweckverband eine Besprechung mit der Abteilung für Volksbildung. Der Neubau soll in das Bauprogramm B 1964/65 aufgenommen werden. Es könnten aber nur die Hälfte der Baukosten übernommen werden.

Schließlich genehmigt die Volksbildungsabteilung am 7.7.1963 die Ziele des Schulzweckverbandes und lobt den Entwurf als pädagogisch, funktionell und gestalterisch günstig.

Nun soll hier aber auch der Plan für die neue Schule vorgestellt werden. Der Entwurf des Büros Wiemer bestand aus Schule, Turnhalle , Sportplatz und Schulhöfen.. Es gab zunächst einen Grundentwurf der erweiterungsfähig war, da man später auch Grundschulklassen unterbringen wollte.

Die neue Schule bekommt eine Windmühlenform und dadurch entsteht eine maximale Lärmabschirmung für die Klassen. Im Mittelpunkt des Erdgeschosses befindet sich die Pausenhalle und darüber die Aula. Die zentrale Treppe wird gut ausgeleuchtet durch eine Plexiglas Kuppel. Alle Schulflügel sind zweigeschossig und haben Gruppenräume. Als besondere Idee war unter der Pausenhalle ein Lehrschwimmbecken angedacht.
Es gab zunächst 5 Klassenräume.
Der Verwaltungstrakt bestand aus:
  - Lehrer-,Rektor- und Hausmeisterzimmer
  - Lehrmittelraum
  - Bücherei
  - Milchausgabe
  - Arztraum (Krankenzimmer)

Und zu den Funktionsräumen zählten:
  • Werkraum
  • Nadelarbeitsraum
  • Naturlehreraum
  • Lehrküche
  • WC Anlage, Heizraum und Öllager

Der Baukomplex lag bei 1,3 Millionen DM und die Turnhalle sollte bei 390 .000 DM liegen. Leider teilte die Abteilung für Volksbildung am 8. April 1964 in einer Sitzung mit, dass die Baukosten nicht finanzierbar seien und der Architekt wird um eine abgespeckte Version gebeten. Das Büro liefert eine Version für 990 .000 DM und eine zweite für 780.000 DM.

Beim Schulzweckverband kommt langsam Ernüchterung auf, als am 29. 9. 1964 die Abteilung für Volksbildung informiert, dass im Bauprogramm 1964/1965 das Kultusministerium Wedtlenstedt nicht vorgesehen hat.

Am 11. Februar 1965 trifft man sich in Lamme erneut und es wird den drei Gemeinden mitgeteilt, dass der Bau einer Mittelpunktschule nicht möglich ist.

Nun muss jedoch der Architekt bezahlt werden. Er stellt eine Rechnung von 20.000 DM auf, die der Landkreis dann auf 16.000 DM runterdrückt. Der Schulzweckverband wird am 2.7.1965 aufgelöst, denn er macht keinen Sinn mehr.

Vier Jahre Planungsarbeit, die besonders Schulleiter Eggert für diese Idee geopfert hat, bleiben unbelohnt. Und das trifft sicherlich auf alle zu, die sich auf diese schöne und moderne Schule gefreut hatten.

Die ungefähr 40 Bauzeichnungen und das sicherlich lückenhafte Schriftmaterial wurde ungeordnet in einen Ordner geheftet und in einen Schrank im heutigen Dorfgemeinschaftshaus gelegt und nach 60 Jahren vor der Vernichtung bewahrt. Dieses Gebäude hätte auch noch nach 60 Jahren einen soliden Rahmen für eine Schule auf dem Lande gegeben.

Mein Respekt gilt Schulleiter Eggert, der sich vier Jahre beharrlich bemüht hat, seinen Schülern und Kollegen optimale räumliche Bildungs- , Entwicklungs- und Lernbedingungen zu schaffen.

Es war jedoch auch nicht ganz realistisch zu erwarten, dass diese großzügige Schule für rund 160 Schüler gebaut würde und so bekam Vechelde mit viel größerem Einzugsbereich den Zuschlag für eine Mittelpunktschule.



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Sabine Rehfeld